{"id":50430,"date":"2026-06-23T07:00:00","date_gmt":"2026-06-23T07:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lucaguido.com\/?p=50430"},"modified":"2026-06-23T13:37:23","modified_gmt":"2026-06-23T13:37:23","slug":"vaterlose-gesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lucaguido.com\/de\/vaterlose-gesellschaft\/","title":{"rendered":"Die vaterlose Gesellschaft ist kein Zufall: Sie ist die Folge einer Kultur, die die M\u00e4nnlichkeit immer mehr zur\u00fcckdr\u00e4ngt."},"content":{"rendered":"\n<p class=\"gb-text\"><em>Es geht nicht nur um M\u00e4nner, die fehlen. Es geht um eine Gesellschaft, die nicht mehr glaubt, dass Kinder V\u00e4ter brauchen \u2014 und die Rechnung zahlen die Kinder, S\u00f6hne wie T\u00f6chter.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"der-junge-der-nicht-zum-mann-wird\" class=\"wp-block-heading\"><strong>Der Junge, der nicht zum Mann wird<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"gb-text\">Seit Jahren sa\u00df mir immer wieder derselbe junge Mann gegen\u00fcber. Name und Stadt wechseln, das Drehbuch bleibt gleich: Mitte zwanzig, intelligent, freundlich, wie gel\u00e4hmt. Er hat das Studium abgebrochen oder schleppt es lustlos mit sich, verbringt Stunden vor dem Bildschirm, wei\u00df nicht, was er will \u2014 und, das ist der Punkt, er wei\u00df nicht einmal, von wem er eine konsequente Lebensf\u00fchrung h\u00e4tte lernen sollen. Fragt man nach dem Vater, kommt fast immer eine Variante desselben Satzes: \u201eEr war da, aber er war auch nicht da.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"gb-text\">St\u00e4ndig erz\u00e4hlt man uns, das Problem der M\u00e4nner sei das Zuviel: zu viel Aggression, zu viel Selbstsicherheit, zu viel \u201etoxische M\u00e4nnlichkeit\u201c, die man abschleifen m\u00fcsse. Die These dieses Artikels ist differenzierter, und sie ist f\u00fcr alle unbequem. Die vaterlose Gesellschaft, deren Folgen bei den S\u00f6hnen explodieren, entsteht nicht aus einem \u00dcberma\u00df an M\u00e4nnlichkeit, sondern aus ihrem organisierten Entzug: eine Kultur, die jahrzehntelang die Funktion des Vaters abgebaut hat \u2014 kulturell, symbolisch, manchmal rechtlich. Das Vatersein ist nicht blo\u00df eine Rolle, sondern eine Berufung. Eine Gesellschaft, die nicht mehr an Berufungen glaubt, beh\u00e4lt am Ende nur leere Rollen \u2014 und Kinder, die nicht wissen, wen sie h\u00e4tten nachahmen sollen, um gro\u00df zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"gb-text\">Aber Vorsicht: Genau hier zielt die Mehrheit derer, die M\u00e4nner verteidigen, auf das falsche Ziel ab. Die richtige Diagnose lautet nicht \u201edie Frauen haben gewonnen und wir haben verloren\u201c. Sie ist vielschichtiger, und ich zeige sie mit Daten auf.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"die-krise-der-maennlichkeit-ist-real-aber-die-gaengige-diagnose-ist-falsch\" class=\"gb-text\"><strong>Die Krise der M\u00e4nnlichkeit ist real \u2014 aber die g\u00e4ngige Diagnose ist falsch<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"gb-text\">R\u00e4umen wir zuerst den bequemsten Einwand weg: dass die Krise der M\u00e4nnlichkeit eine Erfindung verbitterter M\u00e4nner sei. Ist sie nicht \u2014 und das sagt kein Aktivist der M\u00e4nnersache, sondern ein Forscher aus dem progressiven Lager:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"gb-text\">Richard Reeves, ehemals Senior Fellow an der Brookings Institution, ver\u00f6ffentlicht in <strong><a href=\"https:\/\/www.brookings.edu\/books\/of-boys-and-men\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Of Boys and Men (Brookings Institution Press, 2022)<\/a><\/strong> Zahlen, die sich schwer als Gejammer abtun lassen. Jungen schneiden in fast allen westlichen L\u00e4ndern schlechter ab als M\u00e4dchen; M\u00e4nner machen seltener einen Hochschulabschluss; ihre Erwerbsbeteiligung sinkt seit Jahrzehnten strukturell; und sie sterben weit h\u00e4ufiger durch Suizid. Dazu kommt das Ph\u00e4nomen, das die \u00d6konomen Anne Case und Angus Deaton \u2014 Letzterer Nobelpreistr\u00e4ger \u2014 \u201edeaths of despair\u201c genannt haben: die Todesf\u00e4lle durch Suizid, \u00dcberdosis und Alkohol, vor allem unter Menschen ohne Hochschulabschluss <strong><a href=\"https:\/\/press.princeton.edu\/books\/hardcover\/9780691190785\/deaths-of-despair-and-the-future-of-capitalism\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">(Case &amp; Deaton, Deaths of Despair and the Future of Capitalism, Princeton University Press, 2020)<\/a><\/strong>. Die Krise ist also dokumentiert und messbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"gb-text\">Der kontraintuitive Punkt kommt jetzt. Reeves zerlegt beide vorherrschenden Erz\u00e4hlungen: Die progressive, die das Problem leugnet oder auf eine \u201etoxische\u201c, umzuerziehende M\u00e4nnlichkeit abzielt. Und die konservative, die einfach das Band zur\u00fcckspulen will in die 1950er. Sein Argument: Das m\u00e4nnliche Leiden ist das Ergebnis struktureller \u2014 \u00f6konomischer, erzieherischer, famili\u00e4rer \u2014 Kr\u00e4fte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"gb-text\">Aber die Zahlen allein sind nur das Symptom. Sie sagen, dass etwas zerbrochen ist; sie sagen nicht, was. Daf\u00fcr muss man weiter zur\u00fcckblicken \u2014 auf eine Idee von Mann und von Vater, die wir St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck abgebaut haben.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"die-feminisierung-der-gesellschaft\" class=\"gb-text\"><strong>Die Feminisierung der Gesellschaft <\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"gb-text\">Kommen wir zum Wort, an dem sich viele reiben: Die &#8222;Feminisierung&#8220; der Gesellschaft sei die Hauptursache der M\u00e4nnlichkeitskrise. Man muss es mit Sorgfalt gebrauchen, denn es enth\u00e4lt eine ernste Wahrheit und eine gef\u00e4hrliche Vereinfachung. Beide zu vermischen ist genau das, was denen die Glaubw\u00fcrdigkeit raubt, die Jungen verteidigen wollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"gb-text\">Eine Diagnose pr\u00e4sentiert uns das Christentum: <strong><a href=\"https:\/\/podles.org\/church-impotent.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Leon J. Podles dokumentiert in The Church Impotent: The Feminization of Christianity (Spence, 1999)<\/a><\/strong>, wie die westliche Kirche sich zunehmend feminisiert hat, bis die M\u00e4nner fortblieben \u2014 und warnt vor etwas, das wir sehr ernst nehmen sollten: M\u00e4nnlichkeit verschwindet nicht, wenn man sie unterdr\u00fcckt. Sie kehrt anderswo wieder, losgel\u00f6st von jeder gesunden Form, und wird zur Ersatzreligion \u2014 mit Folgen, die uns das 20. Jahrhundert gezeigt hat. Es ist ein Punkt, den das traditionalistische katholische Denken fr\u00fcher und pointierter erfasst hat als ein Gro\u00dfteil der akademischen Literatur.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"gb-text\">Diese Diagnose hat ein durchaus weltliches Spiegelbild. <strong><a href=\"https:\/\/www.brookings.edu\/books\/of-boys-and-men\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Reeves (Of Boys and Men, Brookings, 2022)<\/a><\/strong> weist darauf hin, dass das Lehrpersonal zu rund drei Vierteln aus Frauen besteht und dass die Schule fr\u00fch Eigenschaften belohnt \u2014 Stillsitzen, Selbstkontrolle, Gehorchen \u2014, die Jungen im Schnitt sp\u00e4ter meistern. Im deutschsprachigen Raum ist das nicht neu: Von der Grundschule bis zur Hochschulreife unterrichten immer weniger M\u00e4nner. Jungen wachsen in einem Umfeld auf, das faktisch auf ein Modell geeicht ist, das Jungen statistisch benachteiligt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"gb-text\">Aber: Aus \u201edas Umfeld hat sich feminisiert\u201c ein \u201eM\u00e4nner werden absichtlich von Frauen abgeschafft\u201c zu machen, ist falsch und selbstzerst\u00f6rerisch. Falsch, weil der m\u00e4nnliche Niedergang Ursachen hat, die weitgehend unabh\u00e4ngig vom Aufstieg der Frauen sind \u2014 Deindustrialisierung, Opioidkrise, Automatisierung k\u00f6rperlich harter Arbeit sind keine feministischen Pl\u00e4ne. Doch f\u00fcr den, der mit christlichen Augen schaut, kommt mehr hinzu: Die oben pr\u00e4sentierte Simplifizierung widerspricht der Anthropologie, die sie zu verteidigen vorgibt. \u201eAls Mann und Frau schuf er sie\u201c (Gen 1,27): In der Lesart, die <strong><a href=\"https:\/\/katholisch.de\/artikel\/24270-der-koerper-als-geschenk-die-theologie-des-leibes\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Johannes Paul II. in seiner Theologie des Leibes<\/a><\/strong> entfaltet hat, sind Mann und Frau keine Rivalen in einem Nullsummenspiel, sondern zwei komplement\u00e4re \u201eInkarnationen\u201c derselben W\u00fcrde. Aus der M\u00e4nnerkrise einen Krieg gegen die Frauen zu machen, ist nicht nur eine schlechte Taktik: Es ist ein anthropologischer Irrtum.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"die-vaterlose-gesellschaft-der-verlust-einer-berufung\" class=\"gb-text\"><strong>Die vaterlose Gesellschaft: der Verlust einer Berufung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"gb-text\">Auch wenn die &#8222;Feminisierung&#8220; einen Teil des Problems erkl\u00e4rt, liegt der Kern woanders \u2014 und hier zeigt die vaterlose Gesellschaft ihr wahres Gesicht. Der Junge verkommt nicht, weil zu viel Weiblichkeit um ihn herum ist. Er verkommt, weil die Funktion fehlt, die ihn historisch von der Kindheit ins Erwachsenenalter begleitete: der Vater.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"gb-text\">Die Einsicht ist nicht neu. Schon 1963 beschrieb <strong><a href=\"https:\/\/www.grin.com\/document\/203313?srsltid=AfmBOooNCS7W6XsQylzHAd7mdgqH5Ltaok27Ptx4icq1jT5WLhiAodg1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Alexander Mitscherlich in &#8222;Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft<\/a><\/strong>&#8220; die Aush\u00f6hlung der v\u00e4terlichen Autorit\u00e4t als Bruchlinie der Moderne \u2014 ein Befund, der bis heute nachhallt, etwa in der <strong><a href=\"https:\/\/oe1.orf.at\/programm\/20210331\/631978\/Die-vaterlose-Gesellschaft\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Auseinandersetzung des ORF mit seinem Werk (\u00d61, 2021)<\/a><\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"gb-text\">Nicht nur Psychoanalyse, besonders die christliche Tradition besch\u00e4ftigte sich schon immer mit der Vaterrolle. Im katholischen Denken ist der Vater nicht blo\u00df der, der versorgt: Er verk\u00f6rpert eine Berufung. Er symbolisiert eine Gestalt, die gr\u00f6\u00dfer ist als er selbst \u2014 ein unvollkommenes, aber wirkliches Abbild Gottes des Vaters. Darum hinterl\u00e4sst sein Verschwinden nicht nur eine emotionale L\u00fccke, sondern auch ein massives Orientierungsproblem. Ein fehlender Vater ist nicht nur ein Elternteil weniger. Mit ihm schlie\u00dft sich eine T\u00fcr \u2014 und dahinter bleibt eine Frage, die keine App und kein Amt je beantworten k\u00f6nnen: Woher komme ich, zu wem geh\u00f6re ich, wer wartet auf mich? Und hier best\u00e4tigt die Wissenschaft von au\u00dfen, was die Tradition von innen sagt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"gb-text\">Der Kinder- und Jugendpsychiater <strong><a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/archiv\/psychosoziale-folgen-des-vaterverlusts-vergleichbares-trauma-wie-beim-verlust-der-mutter-3841d8eb-2b26-4bcd-9b3e-ea678405eaa6\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Horst Petri argumentiert im Deutschen \u00c4rzteblatt (Psychosoziale Folgen des Vaterverlusts, 2007)<\/a><\/strong>, dass ein endg\u00fcltiger Vaterverlust ein vergleichbares Trauma ist wie der Verlust der Mutter: Der Vater pr\u00e4gt die Abl\u00f6sung von der Mutter, f\u00f6rdert Explorationsdrang und Risikobereitschaft und ist als Identifikationsobjekt unverzichtbar; seine Entbehrung wird mit psychosomatischen St\u00f6rungen, sozialen Auff\u00e4lligkeiten bis hin zur Kriminalit\u00e4t und mit Leistungsversagen in Verbindung gebracht. <\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC3904543\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Die \u00dcbersicht von McLanahan, Tach &amp; Schneider (Annual Review of Sociology, 2013)<\/a><\/strong> best\u00e4tigt die negativen Folgen der Vaterabwesenheit; die Autoren betonen, dass die Effekte kleiner ausfallen als in \u00e4lteren Studien, aber real sind. Die Tradition wusste es ohne Grafiken; heute best\u00e4tigen die Grafiken es ihr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"gb-text\">Setzen wir die Teile zusammen: eine Schule, die sich mit Jungen schwertut, eine Kultur, die ihnen beibringt, der eigenen Natur zu misstrauen \u2014 und im Zentrum eine verschwundene Vaterrolle. Es ist nicht schwer, das Ergebnis zu erkl\u00e4ren. Es gen\u00fcgt, jenen Zweiundzwanzigj\u00e4hrigen anzusehen, der nicht zum Mann wird, weil kein Mann ihn dazu aufgefordert hat.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"die-rolle-des-mannes-heute-nicht-weniger-maennlichkeit-sondern-eine-wiedergefundene-vaterschaft\" class=\"gb-text\"><strong>Die Rolle des Mannes heute: nicht weniger M\u00e4nnlichkeit, sondern eine wiedergefundene Vaterschaft<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"gb-text\">Hier zeigt sich, warum es nicht nur ungerecht, sondern kontraproduktiv ist, M\u00e4nner aus ideologischen Gr\u00fcnden zu \u201ereduzieren\u201c. W\u00e4re das \u00dcberma\u00df an M\u00e4nnlichkeit das Problem, w\u00fcrde eine Reduktion helfen. Ist das Problem aber der Entzug einer orientierenden m\u00e4nnlichen Funktion \u2014 Vater, Lehrer, Mentor \u2014, dann verschlimmert weiteres Wegnehmen die Krankheit. Es ist, als behandle man Blutarmut mit einem Aderlass.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"gb-text\">Und es gibt die Gefahr, die <strong><a href=\"https:\/\/podles.org\/church-impotent.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Podles (The Church Impotent, 1999)<\/a><\/strong> bereits sah: M\u00e4nnlichkeit \u201ekommt heraus\u201c, so oder so. Ihrer wahren Form beraubt, verschwindet sie nicht: Sie kehrt als F\u00e4lschung zur\u00fcck \u2014 der starke Mann ohne Z\u00e4rtlichkeit, der Verbitterte, der Nihilist, der Bildschirm-Guru, der den Jungen einen Pappvater verkauft. Das Heilmittel gegen \u201etoxische\u201c M\u00e4nnlichkeit ist nicht weniger M\u00e4nnlichkeit: Es ist ihre wiedergefundene wahre Form. Und diese Form nennt man in der Tradition &#8222;Vaterschaft&#8220;. Nicht der Patriarch, der befiehlt, sondern der Vater, der segnet, sinnvolle Grenzen setzt und mit dem eigenen Leben \u2014 Verletzlichkeit eingeschlossen \u2014 bezeugt, wie man lebt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"gb-text\">Konkret hei\u00dft das, die Institutionen wieder aufzubauen, die M\u00e4nner formten: v\u00e4terliche Pr\u00e4senz in den Familien, m\u00e4nnliche Bezugspersonen in der Schule <strong><a href=\"https:\/\/www.brookings.edu\/books\/of-boys-and-men\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">(Reeves schl\u00e4gt die gezielte Anwerbung m\u00e4nnlicher Lehrer vor)<\/a><\/strong>, Mentoren im Sport und im Beruf. Und hier spricht der Text auch zu den Frauen und zu allen, denen die Familie am Herzen liegt: Wegen derselben Komplementarit\u00e4t, die alles begr\u00fcndet, ist eine vaterlose Gesellschaft kein Sieg der Frauen. T\u00f6chter abwesender V\u00e4ter zahlen eine ebenso dokumentierte Rechnung wie S\u00f6hne; alleingelassene M\u00fctter sind ersch\u00f6pft, nicht befreit; und M\u00e4nner, die ohne wahren Vater aufwuchsen, werden als Erwachsene genau zu jenen, von denen eine Frau sich fernhalten m\u00f6chte. Die Vaterschaft wiederherzustellen nimmt den Frauen nichts: Es baut das Haus f\u00fcr alle wieder auf.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"die-vaterlose-gesellschaft-heilt-man-nicht-mit-einem-krieg-zwischen-den-geschlechtern\" class=\"gb-text\"><strong>Die vaterlose Gesellschaft heilt man nicht mit einem Krieg zwischen den Geschlechtern<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"gb-text\">Fassen wir zusammen, denn es steht viel auf dem Spiel. Die vaterlose Gesellschaft ist real, sie ist messbar, und sie hat klare Wurzeln im erzieherischen und kulturellen Umfeld. Die vaterlose Gesellschaft  zu leugnen ist kontraproduktiv. Sie aber als Krieg der Frauen gegen die M\u00e4nner zu erkl\u00e4ren, ist ebenso eine Falle \u2014 und, f\u00fcr den, der mit christlichen Augen schaut, auch ein Verrat der Gemeinschaft zwischen Mann und Frau.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Antwort ist nicht weniger M\u00e4nnlichkeit. Sie ist mehr M\u00e4nnlichkeit, aber eine bessere: pr\u00e4sente V\u00e4ter, M\u00e4nner, die Verantwortung \u00fcbernehmen. Die V\u00e4ter aus Prinzip verschwinden zu lassen, war ein Experiment. Die Ergebnisse sind da, und sie sprechen f\u00fcr sich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"gb-text\"><em>Es bleibt eine wichtige Frage offen: Wenn die Generation, die gerade zusammenbricht, jene ist, die zu h\u00e4ufig ohne pr\u00e4sente V\u00e4ter aufwuchs \u2014 wer hat heute noch vor, Vater zu werden (nicht Patriarch, sondern Vater, mit allem, was dieses Wort, ernst genommen, noch bedeutet)?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"gb-text\"><\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"literaturverzeichnis\" class=\"wp-block-heading\"><strong>Literaturverzeichnis<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"gb-text\"><strong><a href=\"https:\/\/www.brookings.edu\/books\/of-boys-and-men\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Reeves, R. V. (2022). <em>Of Boys and Men: Why the Modern Male Is Struggling, Why It Matters, and What to Do About It<\/em>. Brookings Institution Press. <\/a><\/strong><br><\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC3904543\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">McLanahan, S., Tach, L., &amp; Schneider, D. (2013).&nbsp;The Causal Effects of Father Absence.&nbsp;<em>Annual Review of Sociology<\/em>, 39, 399\u2013427.&nbsp;<\/a><\/strong><br><\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/press.princeton.edu\/books\/hardcover\/9780691190785\/deaths-of-despair-and-the-future-of-capitalism\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Case, A., &amp; Deaton, A. (2020).&nbsp;<em>Deaths of Despair and the Future of Capitalism<\/em>. Princeton University Press.&nbsp;<\/a><\/strong><br><\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/archive.org\/details\/aufdemwegzurvate0000mits_i8j7\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Mitscherlich, A. (1963).&nbsp;<em>Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft.&nbsp;Ideen zur Sozialpsychologie<\/em>. M\u00fcnchen: Piper.<\/a><\/strong><br><\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/archiv\/psychosoziale-folgen-des-vaterverlusts-vergleichbares-trauma-wie-beim-verlust-der-mutter-3841d8eb-2b26-4bcd-9b3e-ea678405eaa6\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Petri, H. (2007). Psychosoziale Folgen des Vaterverlusts: Vergleichbares Trauma wie beim Verlust der Mutter.&nbsp;<em>Deutsches \u00c4rzteblatt<\/em>, 104(22), A 1572\u20131574.&nbsp;<\/a><\/strong><br><\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/podles.org\/church-impotent.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Podles, L. J. (1999).&nbsp;<em>The Church Impotent: The Feminization of Christianity<\/em>. Spence Publishing Company.<\/a><\/strong><br><\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/katholisch.de\/artikel\/24270-der-koerper-als-geschenk-die-theologie-des-leibes\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Johannes Paul II.&nbsp;<em>Die Theologie des Leibes. Die menschliche Liebe im g\u00f6ttlichen Heilsplan<\/em>&nbsp;(Katechesen 1979\u20131984).<\/a><\/strong><br><\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/oe1.orf.at\/programm\/20210331\/631978\/Die-vaterlose-Gesellschaft\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\"><em>Stimme der \u00f6ffentlichen Debatte (keine wissenschaftliche Quelle):&nbsp;<\/em>ORF \u00d61, \u201eDie vaterlose Gesellschaft. Auf den Spuren Alexander Mitscherlichs\u201c, 2021 <\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vaterlose Gesellschaft und abwesender Vater: Wir haben die V\u00e4ter aus Ideologie verschwinden lassen \u2013 und wundern uns, dass die S\u00f6hne heute zusammenbrechen.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":50411,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[169],"tags":[172,171,170],"class_list":["post-50430","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-familie-gesellschaft","tag-feminisierung-der-gesellschaft","tag-krise-der-maennlichkeit-","tag-vaterlose-gesellschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lucaguido.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50430","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lucaguido.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lucaguido.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lucaguido.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lucaguido.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=50430"}],"version-history":[{"count":24,"href":"https:\/\/www.lucaguido.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50430\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":50605,"href":"https:\/\/www.lucaguido.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50430\/revisions\/50605"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lucaguido.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/50411"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lucaguido.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=50430"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lucaguido.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=50430"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lucaguido.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=50430"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}